Gievenbeck

Bild: Luftbild Gievenbeck
Luftbild Gievenbeck (Quelle: Google Earth)
Die Begrenzung Gievenbecks verläuft im Norden bis zur Ortsgrenze Nienberge, im Osten bildet der Wasserweg die Grenze, im Süden ist es der Aasee mit Aa-Flußlauf und im Westen die Ortsgrenze Roxel. Im Bewußtsein der Münsteraner umfaßt der Stadtteil Gievenbeck nur das Gebiet zwischen Roxeler Straße, Horstmarer Landweg und Wasserweg. Das Gebiet südliche der Roxeler Straße wird der Sentruper Höhe zugerechnet.

Wahrscheinlich erschlossen um das Jahr 800 die ersten Siedler das Gebiet an der heutigen Gievenbecker Reihe, ehemalige Bovenstiege. In der flachen Talaue wurden die Gärten und Nachtweiden für das Vieh angelegt. Auf der anderen Seite des Gievenbaches bauten die Siedler einen zweiten Weg, der parallel zur Gehöftreihe und zur Bovenstiege verlief, die Niedenstiege. Außer den Gehöften an der Gievenbecker Reihe - den "sieben Buren" - gab es noch mehrere Einzelhöfe. Namen wie Haus Kump, Sentrup, Ramert, Nünning und Haus Spital erinnern noch daran.

Im Jahre 1750 fanden die ersten offiziellen Erhebungen über Gievenbeck statt. Man zählte damals in der Bauernschaft 14 Wohnungen. Die weitere Entwicklung und Besiedelung setzte erst um das Jahr 1800 ein. Die Neusiedlungen, meist Köttereien, befanden sich am Rande der Allmenden. Im Jahre 1826 wurden die gemeinen Marken geteilt und den einzelnen Köttern und Bauern zugeteilt. Gleichzeitig setzte eine intensivere Besiedlung des Gebietes ein. 1829 waren es 69 Häuser, 1848 wurden bereits 109 Häuser gezählt. Die erste Volkszählung am 1.1.1875 ergab für Gievenbeck 616 Einwohner.

Naturgemäß lebten die Bewohner der Bauernschaft in der Hauptsache von der Landwirtschaft. Es gab aber auch einige gewerbliche Anlagen. So existierten zur Zeit der größten Bautätigkeit drei Ziegeleien auf Gievenbecker Gebiet. Die kleineren Kötter betrieben neben der Landwirtschaft fast alle ein Handwerk im Tagelohn. Sie arbeiteten teilweise in Ziegeleien der Bauernschaften oder in Münster bei einem Meister als Maurer, Zimmermann oder Flickschuster.

Bereits seit dem Jahre 1813 existierte ein einklassige Schule, in der zunächst ein Gievenbecker Kötter, später ein Theologe unterrichtete.

Ende des vorigen Jahrhunderts wurde in Toppheide ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Die von russischen Gefangenen gestaltete Friedhofsanlage am Rande Gievenbecks nahe der Autobahn gibt heute noch Zeugnis von ihrem Leid.

Am 1. April 1903 wurde das gesamte Gievenbecker Gebiet zur Stadt Münster eingemeindet. Mit der vollständigen Eingemeindung war die Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung Gievenbecks als moderner Stadtteil geschaffen. Bis zum Beginn der 30er Jahre blieb Gievenbeck jedoch noch eine ausgesprochene Bauernschaft.

Im Jahre 1932 startete die damalige Regierung ein Programm, mit dem Siedlerhäuser mit Nebenerwerbsstellen zu einem relativ günstigen Preis gebaut werden konnten. Voraussetzung war, daß durch die Eigenhilfe der Bewerber die Gesamtkosten in einem erträglichen Rahmen blieben.

Im Zuge dieser Maßnahmen entstanden die Siedlungen Hollandstraße, Boverste Meer, Unnerste Meer, Deipenfohr, Niedenstiege, deren Bewohner zum Teil noch heute zur Siedlergemeinschaft Gievenbeck e.V. zusammengeschlossen sind. Weitere Baumaßnahmen in dieser Zeit waren die Errichtung der Kliniken am Rande der Sentruper Höhe und die sich daran anschließende Wohnbebauung, sowie die Errichtung zusätzlicher Kasernen an der Roxeler Straße.

Toppheide wurde Reichsarbeitsdienstlager, dann wieder Gefangenenlager. Zahlreiche namenlose Gräber aus dieser Zeit werden außerhalb der heutigen Friedhofsumfassung vermutet.

Nach dem Ende des Krieges nahm das Lager Toppheide zunächst Flüchtlinge, später allgemein Obdachlose auf. Die letzten für diesen Zweck genutzten Baracken wurden in den 70iger Jahren abgerissen. Mit dem heute als Kindergarten Michael II genutzten Barackenteil und dem Gebäude, das an der Hensenstraße den Getränkemarkt beherbergt, sind nur geringe Reste des Lagers erhalten geblieben.

Nach 1945 entwickelte sich Gievenbeck zu einem immer größeren Stadtteil. Im Bereich um die St. Michael- Kirche entstanden Ein- und Mehrfamilienhäuser und Wohnungen der Britischen Streitkräfte.

In Gievenbeck erstellte die evangelische Kirche Anfang der 60er Jahre ihr Gemeindezentrum mit Martin-Luther-Altenheim, Wartburgschule und Lukas-Kirche. Ihre heutige periphere Lage am Coesffelder Kreuz war durch ihre zusätzliche Funktion als Kirche für den Klinikbereich bedingt. 1970 wurde die alte katholische St.Michael Kirche am Rüschhausweg durch die jetzige Kirche an der Ecke Enschedeweg/Arnheimweg ersetzt.

Der entscheidende Einfluß auf die Entwicklung Gievenbecks ging von der Vergrößerung der Universität aus. Mehrere Institute wurden aus dem Innenstadtbereich an den westlichen Rand der Stadt verlagert. Damit stieg auch der Bedarf nach geeignetem Wohnraum für Studierende und lehrendes Personal.

Mitte 1967 beauftragte der Rat der Stadt Münster Prof. Spenglin, für den westlichen Bereich der Stadt zwischen Weseler - und Steinfurter Straße einen Struktur und Bebauungsplanentwurf zu erstellen, der in überarbeiteter Fassung Ende 1972 vom Rat gebilligt wurde.

In dem Plangebiet sollten wichtige Funktionen realisiert werden: Wohn- und Hochschulgebiete sollten entwickelt werden, zentrale Versorgungseinrichtungen und ausreichende Flächen für Spiel, Sport und Erholung mußten geschaffen werden.

Im Endausbau sollte Gievenbeck Raum für etwa 35000 Einwohner bieten. Drei zusätzliche Grundschulen, ein Schulzentrum mit Sekundarstufe I und II, eine Bezirkssportanlage, ein Hallenbad und zwei Freibäder waren Bestandteil dieses Planes. Für denkbar wurden Bowling, Autokino, Ausstellungsfläche usw. gehalten. Westlich der Gievenbecker Kaserne war eine 13ha große Fläche als Gewerbegebiet vorgesehen. Klein- und Mittelbetriebe sollten hier angesiedelt werden. Südlich der Roxeler Straße sollte ein großer Friedhof für den gesamten westlichen Stadtbezirk entstehen. Zwei neue, große Straßenzüge sollten das zu erwartende Verkehrsaufkommen aufnehmen. (3. Westtangente und Zentrumstangente).

Mitte der 70er Jahre wurde mehr und mehr von diesen gigantischen Ausbauzielen Abschied genommen. Durch die Eingemeindung der ehemaligen Umlandgemeinden ( im Westen: Albachten, Roxel, Nienberge ) wurde auf Grund der Verlagerung der Neubautätigkeit in diese Gebiete die weitere Entwicklung Gievenbecks unterbrochen. Hinzu kamen der Stop des Universitätsausbaus und die allgemeine rückläufige Bevölkerungsentwicklung.

Die Folgen dieser Planungseuphorie sind für den Stadtteil heute eine schwere Hypothek. So finden sich einerseits zu groß angelegte Straßen (z.B. Corrensstraße, Mendelstraße), andererseits aber auch insbesondere Radfahrer und Fußgänger gefährdende Engpässe wie z.B. die Überquerung des Rüschhausweges über die Autobahn. Das Ortsteilzentrum, als Nebenzentrum geplant, kann nur unzureichend gemeinsam mit dem Nebenzentrum Rüschhausweg / Heekweg Zentrumsfunktionen wahrnehmen. Das Fehlen eines wirklichen Zentrums dürfte für die weitere Entwicklung Gievenbecks sehr nachteilig sein.

Ende der 80-er Jahre begann für Gievenbeck eine neue Entwicklungsphase. Mehrere kleinere Baugebiete wurden bebaut, die Einwohnerzahl stieg kontinuierlich. Nach der Errichtung der Bundesfinanzschule, der Planung des Wissenschafts- und Technologieparkes und dem Bau der Waldorfschule wurden in dem architektonischen Kuriositätenladen Gievenbeck neue städtebauliche Akzente gesetzt. Bisher bestimmten die beiden Kirchengebäude, die katholische Michaelkirche und die evangelische Lukaskirche, die Universitätsgebäude, hier insbesondere die Bettentürme des Klinikums, und das bunte Nebeneinander von mehr oder minder gelungenen Einfamilienhäusern und klotzigen Hochhäusern das architektonische Bild des Ortsteils.

Eine verstärkte Bautätigkeit setzte Anfang der 90iger Jahre ein. Aufgrund des wachsenden Bedarfs an Wohnraum mussten möglichst zügig zusätzliche Wohnungen gebaut werden. Aufgrund seiner Lage und den bereits im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Flächen für Wohnungsbau wurde Gievenbeck zum Entwicklungsschwerpunkt. .

Nach Fertigstellung des Baugebietes Gievenbeck Südwest im Jahr 2005 hat sich die derzeitige Einwohnerzahl von 15 000 auf ca. 20 000 vergrößert . Das starke Anwachsen der Bevölkerungszahl innerhalb von wenigen Jahren hat natürlich neue Probleme aufgeworfen.
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